Aventuire de la Motte; ein Hundeleben.

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Es ist ein Hundeleben. Was haben wir uns für Sorgen gemacht, als die Motte vor knapp einem halben Jahr sukzessive aggressiver wurde, nicht den Menschen gegenüber, denen sie seit jeher freundlich verbunden war, sondern gegenüber ihresgleichen. Das zeigte sich nicht nur durch Verbellen oder kurzweiligem Verbeißen sondern nachgerade in wütendem nicht ablassen wollen, selbst, wenn der Feind sich bereits ergeben hatte und demütig auf dem Rücken lag. Dies steigerte sich so sehr, und man muss dazu sagen, dass so ein Malimix einfach schier unverwüstlich ist, also so sehr steigerte sich das, dass sie sogar einen Kangal blutig biss. Einen riesigen Kangal. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast schon stolz sein.
Nun ja, schlimm waren die Kollateralschäden, denn die Menschen ringsum sahen die Verantwortung natürlich bei uns und wir die Schuld ja auch, was zu Unsicherheit, Distanzierung und schlechter Laune führte. Ein Freund von uns teilte uns dann auch leicht erregt mit, die Motte dürfe nur noch mit Maulkorb auf seinem Hof erscheinen. Quel malheur!
Wir versanken in Schwermut und suchten gleichzeitig nach Lösungen. Leinenpflicht war angesagt und im Zuge dessen musste, bei der Begegnung mit anderen Hunden, zunächst unsere eigene Unruhe und Angst überwunden werden, da sich diese ja, wie wir wussten, unweigerlich auf das Verhalten der Motte übertragen würde. Wir mieden also Hunde. Parallel dazu sind wir in den Michel eingezogen und danach langsam und im Laufe der Zeit auch angekommen.
Wir lebten also mit unserer Motte auf acht Quadratmetern zusammen, sie war damit auch bei fast allen Außenaktivitäten mit uns und so merkten wir erst gar nicht, dass sich da etwas in unserer Hündin wandelte, bis zu jenem ereignis- und schneereichen Tag auf dem Reiseplatz in Osnabrück, als drei große Hundeviecher auf den Platz stürmten und ich das gar nicht mitkriegte. Schon wetzte auch mein Tier los und ich erstarrte, denn ich war in diesem Moment unfähig noch einzugreifen und gleichsam wie bestellt, trotteten auch die Hundebesitzer um die Ecke, ahnungslos lächelnd. Dies war die lang gefürchtete Konfrontation und das auch noch auf sozusagen „ihrem Gelände“. Ich wollte die Augen zumachen und dadurch weg sein wie ein Dreijähriger, guckte aber doch, letztendlich bereit, jede Verantwortung zu übernehmen.
Und? Was geschah? Die Frau Motte bremste ab, wedelte rutig, packte die Zunge aus, klappte die „Pommestüten“ nach vorne und begann mit den freundlichen Hunden (Rottweiler, Labrador, Retriever) zu SPIELEN.
Ohne Scheiß, mir schossen die Tränen in die Augen. Was für ein großes Glück.
Und nicht nur das. Ich kann berichten, das dies der Wandel gewesen ist.
Natürlich gibt es noch Kloppereien, sie findet halt manche, kleinen, kläffenden Teppichratten zum Kotzen, das geht uns häufig nicht anders, wenngleich wir die Animositäten auch nicht immer begreifen können. Aber im großen und ganzen hat sie diesen unerträglichen Hundehass überwunden.
Ich glaube (Tine aber auch), dass die Nähe und das intime Rudelleben, der viele Auslauf mit und ohne Leine und jetzt auch mit Fahrrad, das unermüdliche Stöckchen und Jagdspiel die Motte mit Vertrauen gefüllt hat. Vertrauen zu ihrer Familie, zum Michel und auch zu sich selbst. Es ist da viel Liebe bei uns im Bus und auch bei Streitereien zwischen uns oder auch bei wütenden Erziehungsmaßnahmen gegenüber ihrer Person bleibt diese Basis unverletzt.
Aber auch wir haben verstanden. Wenn Motte glücklich ist und einen Stock im Maul hat gibt es nie ein Problem. Nie! Das ist die beste Zeit zum Üben. In anderen Situationen sind wir jetzt aufmerksam aber zuversichtlich und wissen viel besser ihr Verhalten oder das zu erwartende Verhalten einzuschätzen. Wir lernen einander immer besser kennen.
Soviel.

Gestern allerdings war ein Wahnsinnstag.
Als wir mit den Rädern loswollten, da saß mit einem Mal ein riesiger Feldhase direkt vor Mottes Nase und grinste sie milde und mit hochgezogener Augenbraue an, ja, nachgerade aristokratisch. Das ließ die Motte natürlich nicht auf sich sitzen und hechtete stante pede herausfordernd los. Leider hing ich am anderen Ende der Leine und so war das erste Mal mit meinem neuen Fahrrad direkt ein Sturz über den Lenker. Schmerzhaft zwar, vor allem für die hochgeschätzten Genitalien, aber glücklicherweise ließ ich zeitnah die Leine los. Der Hase putzte sich die Schnauze, klopfte ein paar Mal auf den Boden, hielt eine Pfote in die Luft, zwecks Prüfung der Windrichtung, schaute sich um, hörte sich um, sah lässig dem sich auf ihn stürzenden Ungeheuer entgegen, drehte sich langsam, gemächlich einmal im Kreis und trabte los. Das nur um klar zu machen, wie gut die Chancen für die Motte bei diesem ungleichen Rennen standen.
Ich machte mir demnach auch keine Sorgen um den selbstsicheren Hasen, nein, vielmehr um die Motte, da die beiden Kontrahenten über die Felder verschwanden und Tine und ich eine Straße in der Nähe wussten. Tine fuhr schlussrichtig zu dieser Straße und ich hielt am Michel wartend Ausschau. Zeit verstrich, viel Zeit und meine anfängliche Wut auf den Köter wich der Besorgnis. Ich wartete auf das mir immer wahrscheinlicher werdende tragische Ende und richtig, das Telefon klingelte. Tine. Panik – ich. Erst wollte ich gar nicht rangehen, tat es aber natürlich doch und rechnete mit dem Schlimmsten. „Sie müsste gleich bei dir sein!“ sagte da die Frau unvermittelt und leicht aus der Puste und ich drehte mich um und da stand sie, mich glücklich grinsend anhechelnd, mit Schaum vorm Mund und machte ohne ein weiteres Wort abzuwarten „Platz“.

Und noch etwas geschah an diesem Tag. Die Motte musste zum Tierarzt, damit sie ihre Impfung für die große Reise bekäme. Das war spannend, denn natürlich war unser dreißig Kilo Schäferhund-Kracher wehrig und ängstlich. Sie fiepte schaustellernd in sich hinein. Das wusste auch der Doktor und so erwartete er uns, nach kurzer Wartezeit in einem Extraraum, mit drei (!) Damen im Behandlungszimmer. Und – wie erwartet, die Motte konnte den Aufenthalt nicht richtig genießen und winselte ein bisschen und wollte eigentlich nicht so recht. Leckerlis brachten dann aber erstaunlicherweise die ersehnte Wendung und das Tierchen ließ sich willig spritzen, eigentlich kriegte sie davon gar nichts mit.
Stolz vernahmen wir die warmen Worte des Doktors, die Motte sehe fantastisch aus und würde strahlen. Das war so viel Balsam für uns.
Natürlich wusste er über unser Vorhaben und das Leben im Michel Bescheid und hatte auch irgendwie noch mit unserem Erscheinen in seiner Praxis gerechnet, bevor wir führen. In seiner Akte fand sich, schön einsortiert, der Zeitungsbericht und das Bild von uns vieren (Tine, Motte, Michel, ich), der in Hamm ordentlich die Runde gemacht hatte und auch er, der Arzt, befand, dass dieses Leben, das wir nun führten, für so einen Hund ja gleichermaßen perfekt gestrickt sei.

Dann schenkte er uns die Behandlung, die Impfung und die Wurmkur. Ich hab noch immer einen Kloß im Hals und wir beide sind voller Dankbarkeit, nicht wegen der gesparten Kohle, sondern wegen der Geste.
Er sagte wohlüberlegt, er möchte seinerseits uns einen guten Start ins neue Leben (ohne viel Geld und Konsum) ermöglichen.

Irre, oder?

Die Frau Motte führt ein Hundeleben. Und wir sind da sehr gerne mit dabei.

Dominique

13. März 2015

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