Unser Abschlussslam

Sursum Corda – Erhebet die Herzen

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Der letzte Hammer Poetry Slam unter unserer Regie und mit unserer Moderation liegt nun hinter uns. Wir hatten ihn im Radio angekündet als Highlight mit einem „Proppen Prallen Programm“, was wir uns schön ausgedacht hatten, da ja gerade die Plosivlaute und die Reibelaute so geballt gar nicht gut über den Äther kommen. Na ja, das spiegelt ganz gut unseren Humor wieder, ein wenig provokativ halt, den wir auch als Moderatoren pflegen.

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Der Hammer Slam liegt uns sehr am Herzen und ich denke, wir haben in den letzten zweieinhalb Jahren gezeigt, dass unsere Mischung aus Kleinkunst, Liedermacherei und Poesie gut funktioniert und wir, trotz unserer flapsigen, teilweise auch leicht gemeinen Art, regelmäßig einmal pro Monat das geneigte Publikum in den Hoppegarden ziehen konnten. Ganz schön stolz sind wir darauf, dass unsere kleine Fete bei immer mehr Slammern so richtig gut ankam, wir Freundschaften schlossen und einige den Hammer Slam, weil er so anders und familiär und kuschelig und entspannt, also unaufgeregt und so wenig wie ein Wettbewerb war, zu ihrem Lieblingslam erkoren. Das wichtigste ist jedoch, dass, weil unser Slam so ein kleiner Kneipenslam ist, hier auch jeder Mensch die Chance hat, sich auszuprobieren; so einige, nun erfahrene Poeten haben bei uns ihre Entjungferung vollzogen. Unser Slam, der viel Spielraum auch für Improvisation lässt, war immer gespickt mit Musik, unser besonderes Anliegen und wir haben eine Menge befreundete Musiker eingeladen, für und mit uns zu spielen. Ich selber habe mir so Einiges erlaubt, habe aus meinem Buch vorgelesen, Opfertexte gebracht, verschiedene einzigartige Minikonzerte gegeben z.B. englische Lieder von mir aus den 90ern oder Volkslieder.

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Bei uns wurde das Publikum mit einbezogen in die Moderation und wenn sie ihre Wertungen mit Kreide auf Schiefertafeln kritzelten und diese mit kleinen „Gemälden“ verzierten, so ließen wir es uns nicht nehmen, diese Werke einer scharfen Kunstkritik zu unterziehen, vielleicht das, was mir am meisten Spaß gemacht hat beim moderieren über die Jahre. Wir hatten großartige Texte und erstaunlich wenig peinliches oder auch ärgerliches, was ja nun mal auch dazu gehört. Einige Slammer haben bei uns und mit uns gelitten, mussten ergriffen während des Vortrags stoppen oder konnten gar nicht auftreten und taten es trotzdem. Beziehungsdramen spielten sich im Hintergrund ab. Das war gut und wichtig und ging bei uns immer. Wir haben unseren Slam, unsere Slammer und unser Publikum lieb.
Und dann ist da der Hoppegarden, unsere Location. Wir durften einen Wechsel der Belegschaft erleben und dachten zunächst, niemand könne Kirsten ersetzen. Die neue Crew lebte sich allerdings schnell ein und arbeitete hervorragend mit uns zusammen. Das Essen, immer mehr auch vegan (!), die Getränke, die Ruhe und Aufmerksamkeit der Thekencrew und der Kellner gegenüber den Slammern vor dem Slam und während der Lesungen, all das war und klappte hervorragend und trug zur Größe unseres kleinen Slams bei. Fantastisch und selten ist sowas. Ulli, mit dem mich eine seltsame Beziehung seit mehr als zwanzig Jahren verbindet oder meist auch irgendwie nicht, ich weiß auch nicht, war ein sehr guter Partner in den letzten Jahren und unsere Zusammenarbeit war prächtig und die gegenseitige Wertschätzung ebenfalls.

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Nun denn, das ist unser Slam und am Samstag, den 21.3.15, haben wir ihn vertrauensvoll unseren Nachfolgern übergeben. Eigentlich war es ein sanfter Übergang, denn Schnee Wittchen und Dominik, beide Poetry Slam Fans und keine Slammer (wie wir ja auch), haben uns seit einem viertel Jahr begleitet. Ich habe Dominik in die Technik und den Aufbau eingeführt, Schnee Wittchen übernahm hie und da kleinere Aufgaben wie Anmoderation, Wertungstafeln kommentieren oder ähnliches und musste vor allem mein Gepiesacke ertragen, was sie tapfer und stoisch auch durchstand. Sie wurde im Laufe der Monate immer routinierter und selbstbewusster und ist nun bereit, den Slam weiterzuführen und ihm einen eigenen Stempel aufzudrücken, eine Mischung also aus Tradition und Moderne. Schade eigentlich, dass wir nicht Mäuschen spielen können. Unterstützt wird Schnee Wittchen bei der Orga und der Moderation von Nadine Dubberke, einer gestandenen Slammerin, die sicherlich eine tolle Ergänzung werden wird auf der nunmehr Hammer-Hippie-Blumen-Space-Bühne.
Vorgestern durften wir also Abschied nehmen und da wir den Slam einmalig auf einen Samstag gelegt hatten, hofften wir auf Zuspruch für unser „Proppen Pralles Programm“. Und tatsächlich, es ward proppenvoll! Nicht nur viele gute Freunde und lang nicht gesehene Gesichter, sondern auch massenhaft neues Publikum war da. Sehr gemischt also und von daher besonders spannend für uns. Wir hatten uns für diesen besonderen Abend ja auch so einiges ausgedacht.

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Da es kein Abschiedskonzert von uns Lauschern vor unserer Abreise geben wird, haben wir das kurzerhand in den Slam integriert und eine halbe Stunde lang Lauscherklassiker gespielt – unterstützt von unserem Mitmusiker Flusi, der quasi von Anfang an bei Tine und mir dabei gewesen ist. Es war tatsächlich wie in alten Zeiten und genau so rührend. Nadine hat ein paar Lieder zur Gitarre vorgetragen und in der Pause haben Maja und Flusi, als „Fluma“ noch ein paar Showeinlagen gezeigt, Poi Tanz nämlich und Perkussion, womit sie das Publikum absolut begeistert haben. Direkt nach dem kleinen Lauscher-Auftritt hat allerdings das Duo Couscous, zu dem unsere geliebte Poi Tänzerin Maja gestoßen ist ein Lied von mir vertanzt, das uns nun auch schon eine Tradition und Geschichte hat und das wir Lauscher live begleitet haben. Überhaupt Couscous. Mit Britta und Margit haben wir schon einen unsere allerersten Auftritte erlebt, ohne zu wissen, dass daraus so eine jahrelange und trotz aller toller Unterschiede nicht nur künstlerische Freundschaft erwachsen würde. Britta ließ es sich nicht nehmen, eine kleine Ansprache zu halten, in der sie darauf hinwies, dass sie das lebenslange Recht erworben hat, Lieder von mir zu vertanzen.

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Ja, Ansprachen gab es einige, Präsentkörbe drei und viel Anrührendes und Liebevolles. No Limit und Luise sind unsere treuesten Slammer und neben ihnen sind auch Sim Panse und Lisa großartige Menschen und Freunde. Wir hatten natürlich ein paar Neulinge und auch Wiederkehrer und alle waren großartig. Luise hat uns zu Tränen gerührt und Sim hat am Ende kurz die Moderation übernommen und uns noch einmal dem Publikum übergeben, das uns gehörig abgefeiert hat. Es war, wie man vielleicht raus hören kann ein rauschendes Fest und lang dauerte es. Viele Reden, viele Texte, viel Musik und Tanz. Große Gesten und große Gefühle. Das hinterlassen wir.
Wir überlassen nun das Feld unseren Nachfolgern Schnee Wittchen, Dominik und Nadine und wünschen ihnen und euch allen eine großartige Zeit mit einem großartigen, kleinen Slam in unserer alten Wirkungsstätte Hamm.
Gustav Mahler soll gesagt haben: Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Wir haben gebrannt, jeden Monat. Lichterloh.

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(Fottos Andreas Hübsch)

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